/ 146 pages
Über die Tiroler (1796)
Search


9Z

begegnen sich daher gleich bey der ersten
Tagsatzung mit dem Wunsche, schriftlich
ihre Nothdurften wechseln zu dürfen. Oes¬
ters wird daher wegen einer Kleinigkeit von
6 Gulden ein schriftlicher Proceß eingelei¬
tet , und die Kosten wegen der Advoka¬
ten-Gebühren, der Zeitversaumniße , der
Urteilssprüche übersteigen je zehnfach
die eingeklagte Summe. Vielleicht muß
es auch einer durch das Clima erzeugten
größeren Empfindlichkeit zuzuschreiben
seyn, wenn man durch Vergleichung der
gerichtlichen Protocolle verschiedener tiro¬
lischen Kreise findet , daß in allen 4 übri¬
gen, den Kreis Vorarlberg ausgenommen,
nicht so viele Provocations - Processe, ex
le^e äiKarnari, als in dem einzigen Con-
finen - Kreise geführet werden. Daß aber
bey einer solchen Proceßlust die Zahl der
berufenen und unberufenen Advokaten sich
nothwendig zu sehr anHaufen, das Ge¬
wissen der mit und ohne Willen in Pro-
ceße verflochtenen Personen durch immer¬
währendes Subtilisiren und Distinquiren
um seine simple Stimme vollends gebracht,
und endlich der Charakter der selbst un¬
verdorbenen Walschtiroler nach und nach